Zürcher Konferenz der Gefängnisseelsorgenden 2025: Die psychiatrische Grundversorgung und die Seelsorge in der Psychiatrie

Fachtagung – Massnahmenrecht

Massnahmenrecht ausser Kontrolle?
Erklärungen für den steigenden Insassenbestand und Best Practice für eine Trendwende bei der stationären Behandlung

Die Insassenpopulation bei der stationären Behandlung von psychischen Störungen als Strafsanktion hat sich gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) in den letzten zwanzig Jahren in etwa verfünffacht. Dabei sind die tatsächlichen Zahlen  wohl noch höher, da das BFS nur staatliche Institutionen berücksichtigt, nicht aber private Einrichtungen, die für den Vollzug von Massnahmen gemäss Art. 59 StGB in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben.

An der Tagung wird zunächst der Frage nachgegangen, wie diese Zunahme zu erklären bzw. zu bewerten ist. Dabei wird es auch darum gehen, ob wir in der Schweiz über genügend geeignete Vollzugsplätze verfügen und was überhaupt  einen geeigneten Vollzugsplatz ausmacht. Von Interesse ist zudem der Vergleich von Behandlungen im forensischen und zivilen Setting.

Neben der Suche nach Erklärungen und Interpretationen soll es an der Tagung vor allem darum gehen, die verschiedenen Akteure und Disziplinen auf der Suche nach einer nachhaltigen Trendwende miteinander ins Gespräch zu bringen.

Gäste
– Prof. Dr. Jonas Weber, Institut für Strafrecht und Kriminologie, Universität Bern
– Prof. Dr. Thierry Urwyler, Rechtswissenschaftliche Fakultät, Universität Zürich
– Prof. Dr. Anna Coninx, Rechtswissenschaftliche Fakultät, Universität Luzern
– Thomas Freytag, Leiter Bewährungs- und Vollzugsdienste, Bern
– Renata Sargent von Arx, Direktorin Massnahmenzentrum St. Johannsen
– Dr. med. Friederike Höfer, Leiterin ambulante Therapien, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
– Lena Reusser, Rechtsanwältin, Bern

Leitung und Moderation
– Dr. Aimée Zermatten, Université de Fribourg und Universität Bern
– Dr. Stephan Bernard, Rechtsanwalt/Mediator SAV, Zürich
– Csongor Kozma, Direktor Paulus Akademie

ein Anlass in der Paulus Akademie

Informationen

Flyer zur Tagung

250910_Flyer_Massnahmenrecht

Alpenländertagung

70. Ökumenische Alpenländertagung für Gefängnisseelsorgende von Bayern, Österreich und der Schweiz

Kontakt

Für Fragen zur Anmeldung:
Thorsten Bunz
Tel. +41 76 488 95 15
thorsten.bunz@gefaengnisseelsorge.ch

Für Fragen zur Tagung:
Alfredo Díez
Tel. +41 79 347 96 00
alfredo.diez@gefaengnisseelsorge.ch

Tagungsort

Gästehaus Kloster Bethanien

Das Gästehaus Kloster Bethanien liegt in St. Niklausen/OW auf einer idyllischen Hochebene 800 m ü.M. Diese Lage bietet eine einzigartige Rundsicht über den Sarnersee und in die Obwaldner Berge. Das Haus gehört zum Kloster der Dominikanerinnen von Bethanien und befindet sich in rund 20-minütiger Gehdistanz zum Flüeli-Ranft, dem Wirkungsort des heiligen Bruder Klaus.

Bethanienstrasse 3
CH-6066 St. Niklausen OW

www.haus-bethanien.ch

Beim genauen Hinschauen begegnet uns in der Gefängnisseelsorge (Ohn-)Macht beinahe auf Schritt und Tritt. Fachpersonen werfen für und mit uns von ihrem beruflichen Hintergrund aus drei Schlaglichter auf das facettenreiche Thema.

Bei der Tat spielen Macht- und Ohnmachtserfahrungen eine grosse Rolle, manchmal ganz augenfällig, bisweilen im Hintergrund und das sowohl auf der Seite des Täters oder der Täterin (aktuell und auch in der Vergangenheit liegend) wie auch in vielen Fällen auf der Seite des Opfers. 

Im Gefängnis erleben Inhaftierte die Macht der Justiz und der darin agierenden Personen: Richterinnen und Staatsanwälte, Gefängnisleitende, Aufseherinnen und Aufseher… während sich bei ihnen selbst Gefühle der Ohnmacht breit machen können. Das Personal seinerseits ist in eine Hierachie eingebunden und oftmals bilden sich auch unter inhaftierten Personen Machtgefälle aus.

Am verborgensten ist Macht in der Seelsorge. Wir begegnen Menschen in schwierigen Lebensphasen, inhaftierte Personen sind bei uns mehr als Verdächtige*r/Verurteilte*r/Täter*in, sie öffnen sich uns in vielen Fällen mit ihrer ganzen Lebensgeschichte und zeigen sich von ihrer verletzlichen und vielleicht sogar verletzten Seite. Sind wir uns unserer Machtstellung im Rahmen der seelsorglichen Beziehung nicht bewusst und gehen unverantwortlich damit um, hat das verheerende Folgen.

Mit Unterstützung durch:

Ev.-Reformierte Kirche Schweiz, Ref. Kirche Aargau, Kath. Kirche Appenzell Ausserrhoden, Kath. Kirche Appenzell Innerrhoden, Ev.-reformierte Kirche des Kantons Basel-Landschaft, Röm.-Kath. Landeskirche Basel, Röm.-Kath. Landeskirche des Kantons Bern,  Ref. und Kath. Kirche Luzern, Ref. und Kath. Kirche Nidwalden, Kath. Kirche Obwalden, Ref. und Kath. Kirche St. Gallen, Ref. und Kath. Kirche Zürich, Kath. Kirche Zug


Programm

Montag, 23. Juni

Anreise und Einchecken (ab 13:00 Uhr möglich)

17:00      Begrüssung und feierliche Eröffnung
Pfr. Alfredo Díez, Präsident Schweiz. Verein für Gefängnisseelsorge
Mgr. Dr. Joseph Maria Bonnemain, Bischof von Chur
Catherine Berger, Vizepräsidentin Ev.-reformierte Kirche Schweiz
Alois Vogler,  Präsident Kirchgemeindeverband Obwalden
Mario Kunz, Gefängnisseelsorge Bayern
Mag. Alexandra Keisler-Dité, Gefängnisseelsorge Österreich
Andreas Beerli, Gefängnisseelsorge Schweiz

18:30 Festliches Abendessen
mit musikalischer Unterhaltung

Dienstag, 24. Juni

7:30 Morgenfeier

8:00 bis 8:45  Frühstück

9:00 Die Tat als Macht– und Ohnmachtserfahrung
Univ.-Prof. Dr. med. Reinhard Haller, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, Psychotherapeut und  Gerichtsgutachter

Präsentation von Reinhard Haller als PDF.

Kaffeepause, anschliessend Vertiefung des Referats

12:00 Mittagessen

14:00 Macht– und Ohnmachtsgefüge im Justizvollzug
Nathalie Dorn, Direktorin Untersuchungsgefängnisse Zürich, Sozialarbeiterin FH, MAS Systemische Beratung & Leadership

Präsentation von Nathalie Dorn als PDF.

Kaffeepause, anschliessend Vertiefung des Referats

spontan ergänztes Thema:
16:30 Vorstellung Info-Bus in Zürich
Ivana Mehr, Fachstelle extramural

Präsentation von Ivana Mehr als PDF.

18:30 Abendessen

Mittwoch, 25. Juni

7:30 Morgenfeier

8:00 bis 8:45  Frühstück

9:00 Macht und Risiken für Machtmissbrauch in der Seelsorge
Dr. Stefan Loppacher, Leiter der Dienststelle Missbrauch im kirchlichen Kontext der Römisch-katholischen Kirche der Schweiz und Co-Leitung der Fachstelle Machtraum

Kaffeepause, anschliessend Vertiefung des Referats

12:00 Mittagessen

13:15 Start Nachmittagsprogramm
Führung in der JVA Grosshof, Luzern

Ausflug nach Luzern

19:00 Luzern, Bahnhofquai
Sonnenuntergang-Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee
inklusive Nachtessen

23:00 Rückkehr zum Gästehaus

Donnerstag, 26. Juni

7:00 Frühstück, anschliessend Auschecken und Zimmerabgabe

8:00 Nationalkonferenzen / Generalversammlungen

10:00 Wanderung zur Ranftschlucht
spirituelle Feier in der unteren Ranft-Kapelle

12:30 Mittagessen

anschliessend Verabschiedung

Die Tür geht zu: Literarisches zum Gefängnis als Institution und Metapher

Bettina Wiesendanger, Gefängnispfarrerin, lädt zu einem spannenden Kurs:

Erfahrungen der Referentin aus Gefängnisbesuchen seit zwanzig Jahren werden durch literarische Zeugnisse verschiedener Autorinnen und Autoren dargestellt – in Textlesungen und im Gespräch.

Gefängnisthemen, die literarisch erfahrbar werden: Das erstarrte Leben in der Zelle. Die Mitgefangenen. Betreuer, Aufseherinnen. Haftgründe. Heutige politische Gefängnissituationen. Ein Suizidversuch im Gefängnis.

Reale Erfahrung geht literarisch gelegentlich über in Metaphorisches: «Drei Wechselschritte mein Kerker lang, drei Wechselschritte mein Kerker breit, drei Flüge zu hoch meinen Lungenflügeln», so bei Chr. Lavant. Ein interaktiver Kurs: Im Gespräch miteinander verbinden sich die Texte mit (gemeinsamen) Erfahrungen und Fragen. Literatur ist mit der Lebenssituation der Menschen verbunden. Sie zeigt das Leben in seiner Vielfalt. Sie macht erfahrbar, «wie es sich anfühlt oder schmeckt, lebendig zu sein» (T. Eagleton).

DatumMo 20.01.2025
19:30 – 21:15
OrtKantonsschule Büelrain
Rosenstrasse 1
8400 Winterthur
B 102 / Neubau

Der Anlass findet im Rahmen der Volkshochschule Winterthur und Umgebung statt und ist kostenpflichtig.

Anmeldung direkt über die Webseite der Volkshochschule:

Anmeldung

Fachtagung Schuld und Strafe

Zur Legitimität und Rechtfertigung eines Übels

Freitag, 31. Mai 2024, Paulus Akademie

Die Tagung thematisiert das komplexe Verhältnis von Schuld und Strafe aus theologischer, rechtlicher und ethischer Perspektive. Im Zentrum steht die Frage nach der Legitimität und Gerechtigkeit der Gewalt, die Schuld spricht und Strafen verhängt. Ein Übel wird mit einem anderen Übel bestraft. Die illegale Gewaltausübung von Täterinnen und Tätern unterscheidet sich dabei nicht zwingend von der legalen Gewaltausübung der Staatsgewalt. Der entscheidende Unterschied besteht in der Autorisierung, Gewalt anzuwenden, Schuld zu sprechen und Strafen zu verhängen. Auf welche normativen Autorisierungsprozesse wird dabei zurückgegriffen? Was macht eine Person schuldig und was eine daraus folgende Sanktion gerecht? Und welche Rolle spielt das ethische Ziel der Versöhnung im rechtlichen System von Schuld und Strafe.

Gäste

  • Alfred Bodenheimer, Professor für jüdische Studien, Universität Basel
  • Luca Di Blasi, Assoziierter Professor für Philosophie, Universität Bern
  • Frank Stüfen, Gefängnisseelsorger, Reformierte Kirche Kanton Zürich
  • Melanie Werren, Privatdozentin für Systematische Theologie / Ethik, Universität Bern
  • Isabelle Noth, Professorin für Seelsorge, Religionspsychologie und Religionspädagogik, Universität Bern
  • Elio Jaillet, Beauftragter für Theologie und Ethik, Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz

Moderation

  • Frank Mathwig, Titularprofessor für Ethik, Universität Bern, und Beauftragter für Theologie und Ethik, Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz
  • Stephan Jütte, Leiter Theologie und Ethik, Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz

Kosten (inkl. Pausenverpflegung und Stehlunch)
CHF 90.- / CHF 60.-*
* für Mitglieder Gönnerverein Paulus Akademie, AHV/IV-, KulturLegi- oder Studierenden-Ausweis inkl. Pausenverpflegung und Stehlunch

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Theologie und Ethik der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz und dem Verlag Gefängnisseelsorge.

Fachtagung Reform im Strafwesen: Gleichheit vor dem Recht?

Ausländische Personen in der Strafuntersuchung

Donnerstag, 5. September 2024, 9:30-16:30 Uhr

Die Tagung versteht sich als Follow-up zur Fachtagung aus dem Jahr 2022 mit dem Titel «Gleichbehandlung im Straf- und Massnahmen vollzug? Ausländerinnen und Ausländer zwischen Rückfallprävention und Wiedereingliederung».

Die Vortragsthemen der diesjährigen Tagung lenken den Blick auf die Gründe für die höhere Kriminalitätsbelastung ausländischer Tatpersonen, hinterfragen das kriminalpolitische Konzept ausländerstrafrechtlicher Normen und beleuchten die positiven Wirkungen einer kultursensiblen Haltung der Justiz für die Strafuntersuchung. Wir setzen uns mit den Besonderheiten und Unterschieden einer Verteidigung von ausländischen beschuldigten Personen sowie der Untersuchungsführung bei jugendlichen Ausländern auseinander und lassen die Bedürfnisse, Sorgen und Befürchtungen von Betroffenen aus der Perspektive der Gefängnisseelsorge zu Wort kommen.

Durch den interdisziplinären Ansatz soll der Austausch der Fachdisziplinen hergestellt und der Praxisbezug gestärkt werden.

Leitung und Moderation

  • Csongor Kozma,
    Direktor Paulus Akademie
  • Bettina Mez,
    Jugendanwältin Zürich

Tagungsort

Paulus Akademie
Pfingstweidstrasse 28
8005 Zürich

Kosten

  • CHF 200.- bei Anmeldung bis 31. Juli 2024
  • CHF 250.- bei Anmeldung ab 1. August 2024
  • CHF 150.- für Mitglieder Gönnerverein Paulus Akademie mit AHV/IV-, KulturLegi- oder Studierenden-Ausweis
  • inkl. Mittagessen, Pausenverpflegung und Apéro

Anmeldung auf www.paulusakademie.ch

Film und Podium: Mitgefangen – über Angehörige von Strafgefangenen

Freitag, 22. März 2024, 18.30 – 20.45 Uhr in der Paulus-Akademie

Das Thema Angehörige von Inhaftierten (insbesondere auch deren Kinder) rückt zunehmend in den Fokus der Justizbehörden. Dies zeigt sich einerseits darin, dass das Zürcher Amt für Justizvollzug und Wiedereingliederung des Kantons Zürich eine fixe Fachgruppe Angehörige installiert hat. Andererseits wurde das Thema in der vom Bund beauftragten und Anfang Juni 2023 veröffentlichten Studie zur Situation von Kindern mit einem inhaftierten Elternteil schweizweit aufgenommen.

Gäste

  • Betroffene Angehörige
  • Katrin Röhm, Leiterin Sozialdienst Untersuchungs-
    gefängnisse Kanton Zürich
  • Daniella Moreno, Team72 Infostelle für Angehörige
  • Frank Stüfen, Verlag für Gefängnisseelsorge
    Moderation
  • Ivana Mehr, Extramural – Beratung und Begleitung für
    Angehörige von Inhaftierten

Anmeldung

Über die Paulus-Akademie:

www.paulusakademie.ch

Eintritt (inkl. Umtrunk)
CHF 15 / CHF 10*

*für Mitglieder Gönnerverein Paulus Akademie, AHV/IV-, KulturLegi-
oder Studierenden-Ausweis
Anmeldung bis 19. März 2024